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!!!Hier loopt noch een controle over het geheel!!!

DIE DREI, VII. Jahrgang, 7. Heft, Oktober 1928                                                                                                            Online-Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift die Drei.


DER HELENA-MYTHOS UND DIE ANTHROPOSOPHIE 

VOM MYSTERIUM DER IYNX ZUM MYSTERIUM DER PHARYNX I

ADELYDE CONTENT

                                                                                                            "Nun hängt mit dem, dass Goethe gerade die Helena                                                                                                               als Erscheinung für Faust wählt, wirklich etwas                                                                                                                       zusammen vom Wesen der Lebensaufgaben des                                                                                                                     vierten und fünften nachatlantischen Zeitraumes .. "

                                                                                                            "Diesen Gang der Weltentwickelung musste man so,                                                                                                               wie man es den Leuten eben klar machen konnte, in                                                                                                               Mythen, in Sagen, in Legenden ihnen klarmachen ...                                                                                                                 Da wurden ihnen die Mythen erzählt, die                                                                                                                                   exoterischen Mythen, in denen aber verborgen sind                                                                                                                 tiefe, bedeutungsvolle Entwickelungswahrheiten..."

Rudolf Steiner.

     Ein jedes Zeitalter hat ein Problem zu lösen. Die vierte Epoche in der Reihe derjenigen Epochen, die dem Untergang der alten Atlantis gefolgt sind, d. h. also die griechisch-römische Epoche hatte zu lösen das Problem von Leben und Tod. An ihrem Anfang steht das Bild der Geburt der Zwillinge Castor und Pollux, Castor zur Sterblichkeit geboren, Pollux zur Unsterblichkeit. Die griechisch-römische Epoche gipfelt in der Geburt und der Überwindung des Todes in dem einzigen Jesus von Nazareth.

     Das Problem, mit dem unser Zeitalter — das fünfte unter den nachatlantischen Epochen — fertig zu werden hat, ist, wie uns Dr. Steiner lehrte, das Böse.

     Ein Zusammenhang besteht zwischen der angedeuteten Aufgabe der griechisch-römischen und der Aufgabe unserer Epoche. Nur im Kampf mit dem Bösen können Sterblichkeit und Unsterblichkeit durchschaut, Leben und Tod durchkostet, der Tod überwunden werden.

     Das Ziel der Wanderung durch die aufeinanderfolgenden Erdenepochen heißt für die menschliche Seele die volle Erkämpfung des Ich. Was wir heute unser Ich nennen, ist immer nur noch Spiegelung des Ich. Ein großes Stück Ich-Entwicklung verdankt die menschliche Seele der Zwei-Geschlechtlichkeit. Rudolf Steiner wies nur dann und wann darauf hin — man könne heutzutage fast noch nicht darüber sprechen, sagte er, man gehe heute noch auf dünnem Eis, wenn man diese Sachen berührt — wie da Zusammenhänge bestehen zwischen dem Bösen und der Frauenerkenntnis.

     Wenn wir das Bild von der Geburt der Zwillinge vervollkommnen, bekommen wir diesen Hinweis von Dr. Steiner wirklich im Bilde vor uns. Denn die griechische Epoche wird eingeleitet mit der Verbindung des Zeus in Schwanengestalt mit der Leda, d. h. des geistig-astralischen Elementes mit dem tieferen, dem ätherisch-irdischen Elemente. Makrokosmisch gesprochen. Mikrokosmisch könnte man sagen, da Zeus im universellen Äther dieselben Kräfte repräsentiert, die auch im menschlichen Astralleibe wirken: Im Beginne des griechischen Zeitalters fing das Geistig-Astralische des Menschen, das bisher außerhalb des physischen Leibes geweilt hatte, an, sich in diesen stofflichen Leib zurückzuziehen, sank es in die ätherisch-physische Hülle hinunter. Im Griechenzeitalter fängt der Mensch richtig seine Entwicklung als Erdenmensch an.

     Damit wir aber eine Empfindung bekommen von demjenigen, was eigentlich zu Grunde liegt, wenn von einer Schwanengestalt die Rede ist, können wir uns diesem einen Wichtigsten der "Furta Jovis", welches mit dem Liebesgeheimnis von Zeus und Leda gemeint ist, noch von anderer Seite nähern. Als ursprünglich der Mensch, ja, zwar schon physisch auf Erden herumging, aber mit seinem Geistig-Seelischen bei den Göttern noch weilte, waren die Götterwesen, die er sah, seine Gedanken, erlebte er seine Gedanken vollkommen mit seinem Ich. Da kam aber die Zeit, dass die Götterwesen selber sich vor des Menschen Blick zurückzogen. Im Abglanz sah der Mensch sich ihm die Götter noch offenbaren, die Offenbarung erlebte er in seinem astralischen Leibe. So war der Zustand am Anfang des griechischen Zeitalters. Mit diesem trat eine neue Etappe ein: Das Denken, das von dem Erleben im Ich zu dem Erleben im Astralleib gesunken war, sank jetzt vom Astralleibe in den ätherischen Leib hinunter. Der Grieche erlebte den Gedanken in seinem Ätherleibe, in seinem Ätherleib fühlte er in den Gedanken die Götter wirkend.

     Genau ausgedrückt, muss man den Zeus-Leda-Mythos die Verbildlichung nennen des Abstieges des Denkens vom astralischen Leibe hinunter in den ätherischen Leib.

     Aber es war dieses Denken dasselbe, das in einem vorhergehenden Zustande ein Schauen von Offenbarungen gewesen war. Und dieses war wiederum eine Umwandlung aus dem ursprünglichen Schauen der Götterwelt selber. Der Schwan hatte ursprünglich den Logos, das göttliche Wort, geschaut und gehört. Der Schwan geht den Weg vom göttlichen Urwort hinunter.

     In dem Leda-Namen kann man den Abstieg zur tieferen Stufe des Ätherischen sprachwissenschaftlich nachprüfen. In Ληδα liegt sowohl λαδ als λοιδ geborgen, λαδ hat den Sinn des Ätherischen[1]), λοιδ den des Niederen[2]).


[1] Man vgl. "hörend", die Beschreibungen in alten Lexika der Insel Λάδα, des Flusses Λάδων usw.                                                      [2] Vgl. Λάδων, equivalent: de-spicere (=herabblicken, verachten). 


     Mysterienwissen der Griechen war es, dass eine Zeit kommen würde, wo das Denken nun noch einen nächsten Schritt hinabtun würde und den mit dem ätherischen Leib engverbundenen physischen Leib ergreifen: Dass der Schwan bis in die physische Welt heruntersteigen würde.

     Die Lebendigkeit, derer sich die Gedanken in ihrer Freiheit im Ätherleibe noch freuten, musste durch die Berührung mit dem physischen Leibe notwendig zeitweilig verloren gehen, die lebendigen Gedanken der Griechen fanden in unserem Zeitalter erstarrenden Tod.

     Von Eingeweihten stammen die Mythen her. Die Eingeweihten, die den Menschen den Leda-Mythos erzählten, wussten, dass der Sturz des schauenden Denkens ins Ätherische hinein mit sich brachte, dass es da unten mit der Frau, mit dem Geschlechtlichen zu tun bekommen würde. Und daß damit die Möglichkeiten von Sterblichkeit und Unsterblichkeit entstanden.

     Vervollkommnen wir jetzt das Bild von der Geburt der Zwillinge. Aus der Verbindung des Zeus-Schwanes und der Leda-Frau entstehen zwei Schwaneneier. Aus dem einen gehen hervor die genannten Zwillinge, ein Sterblicher und ein Unsterblicher, Κάστωρ und Πολυδεύκης aus dem zweiten Leda-Ei wird die Helena geboren.

     Als Rudolf Steiner anlässlich der Aufführungen in Domach von der Helena-Szene in Goethes Faust November 1917 von Helena sprach, gab er einmal flüchtig an, daß schon der Name Helena nicht ganz ohne Zusammenhang ist mit Hölle. Das heißt also: Als das Denken in den Ätherleib hinabsank, als das Himmlische sich mit dem Irdischen verband, wurde dort in der Tiefe Ἕλος (helos) die Höllenfrau, Ἑλένη, die Frau der Tiefe, geboren.

     So dass wir da wirklich das griechische Zeitalter eingeweiht sehen durch eine dreifache Geburt: ein Sterblicher,ein Unsterblicher und die Frau ------- der Tod, das Leben, das Böse.

     Das Bild von Golgatha, wo das griechische Problem von Tod und Leben gelöst wurde, ist erst vollständig, wenn wir neben dem einzigen Christus, in dem Tod in Leben verwandelt wurde, die tiefst gestürzte Egoität, die tiefste Stufe des Bösen stellen: Judas Ischariot.

     Das Griechentum ist uns wie eine Frau, die in anmutigem, rätselvollem Lächeln erhabenstes Geheimnis birgt. Indem Rudolf Steiner uns immer wieder von anderer Seite her ein Licht über Erden- und Menschheitsentwicklung warf und das Mysterium, das auf Golgatha vorgegangen, für den Verstehenden ins Licht rückte, sind wir imstande, das heilige Geheimnis der Griechin in heiligem Sinne zu lösen.

     Das, was das Helena-Volk, die Hellenen, uns an Literatur nachliess, ist in höchstem Maße imstande, unseren Ahnungen bei den Lösungsversuchen Richtung zu geben. Wir müssen dazu aber uns an die ältesten vorhandenen Texte wenden und jedes Wort auf seinen innerlichen Wert prüfen. Denn als in den ältesten Epochen die Entwicklung des Menschen-Ichs sich noch mehr in himmlischen Regionen abspielte, als der Mensch sein Ich noch nicht in seinen physischen Leib und damit in die Erde hineinbekommen hatte, waltete auch die Sprache noch außerhalb des Menschen. Sie verband sich mit dem, was außerhalb des Menschen sich vorfand, bildete sich zum Gefäß, das die Seele des Gegenstandes in sich hineinfing. In dem gleichen Masse, als das Ich sich in den Menschen hineinbegab, begab sich auch die Sprache in ihn hinein, verlor sie das Vermögen, das Äußere nachzubilden. Sie erstarrte. Wenn Dr. Steiner sagte, dass die griechische Sprache die letzte ist, die noch Seele hat, müssen wir das so verstehen, dass am Anfang der Griechenzeit das Ich der Physis so nahegekommen war, dass es am Ende derselben in dieser Physis ganz erlöscht sein sollte. Während des Griechenzeitalters aber verblieben das Ich und damit verbunden die Sprache noch in dem letzten Stadium außerphysischen, bildungsfähigen Zustandes. In jedem Wort, das die rätselvolle Griechin spricht, enthüllt sie uns eines ihrer kosmischen Geheimnisse.

     Schon der Name der ursprünglichen Träger ältester griechischer Kultur ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Bedenken wir, dass in Urzeiten der menschlichen Entwicklung auf Erden das Geistig-Seelische des Menschen also noch bei den Göttern heimisch war, sich nur in lockerem Verband mit seinem physischen Körper hier auf Erden befand. Als am Anfang der griechischen Entwicklungszeit des Menschen Geistig-Seelisches den Göttern fast ganz nach der Erde hin entfallen war, sein Denken-im-Schauen ihnen bis in den Ätherleib entsunken war, kamen sie helfend nach. Den Sonnenstrahl, den Sonnenpfeil, das I, den Gedankenstrahl schickten sie in ihn hinein. Durch diesen wirkten sie in seinen Ätherleib. Götterbote, Hermes, Merkur war das I. Die Mondgöttin Artemis vermittelte dem Menschen dieses Sonnenlicht, dieses I-Licht. Ihr ständiger Beiname ἰοχέαιρα (Io-cheaira), die I-Lenkerin, rührt davon her. Und das Volk, zu dem die Götter als zu den Trägern beginnender neuer Kultur auf Erden mittels Artemis ihr Licht hinlenkten, nannten sich I-onier.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Bei den Ioniern in Klein-Asien nahm zuerst die griechische Kultur ihren Anfang, die dann später westwärts, nach der peloponnesischen Halbinsel hinübergetragen wurde, um sich dort auszuleben. Man höre mit scharfem Ohr Dr. Steiner zu — so wie man ihm immer zuzuhören hat, weil er aus einem so tiefgründigen Wissen heraus sprach, dass man seine Worte nie bis auf den Boden sondieren kann — man höre, wie Dr. Steiner am 29. Dezember 1913 in Leipzig[3] , seine Worte wählte, als er von den aus chaotischen Untergründen quellenden Prophezeiungen der Sibyllen sprach: " .. . Dass sie in Ionien auftreten, ist eine merkwürdige Erscheinung, sagte ich; denn aus Ionien nimmt zugleich ihren Anfang die griechische Philosophie, jene Weisheit, die von Thales und Aristoteles hervor bis in die römische Zeit hinein so ganz aus dem geordneten Seelenleben des Menschen hervorgeht, aus dem, was dem Chaos entgegengesetzt ist, was heraussucht aus dem Seelenleben alles das, was an klaren, hellen, lichtvollen Begriffen zu erreichen ist. Von Ionien geht sie aus, die Philosophie der Klarheit, des Lichtvollen, man möchte sagen, des Himmlischen, das sie angenommen hat dann in Plato."

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