terug naar deel III
deel IV
Aus Ägypten hatte Helena sich die Möglichkeit mitgebracht, die neue Rolle des Weibes in der Geschichte zu spielen. Als das Ich zum Todeskampf in die Materie hinein musste, entstand eine neue Stufe des Verhältnisses der Geschlechter. Bisher war die Liebe an das Blut gebunden gewesen. Eine Stammesliebe war da zur Fortpflanzung der Menschengeschlechter auf Erden. Durch die Reihe der Generationen hindurch fühlte sich der Mensch mit der göttlichen Welt seines Ursprungs verbunden. Als dann als Folge des Sündenfalls die geistige Welt sich immer mehr von den Menschen zurückzog, der Mensch auf Erden einsam gelassen wurde, damit er einstmals ein freies Wesen werden könnte, löste sich die Liebe von dem von Adam her hinunterrinnenden Blute. Es entstand die Liebe zur Schönheit, der Gefallen an der Schönheit: das Reich Luzifers trat in volle Wirkung. Die Blutsliebe wurde zur Geschlechtsliebe. Von den Heroen der Griechen lesen wir durchwegs, dass sie in ihrer Jugend ausgesetzt wurden, d.h. aus den Blutsbanden gelöst. Auch von Helena heißt es, dass sie schon als Zehnjährige von Theseus entführt sei. Als Menalaos? Gattin wird sie dann von Paris entführt, also wiederum aus den Blutszusammenhängen gelöst. Helena ist die Repräsentantin der neugeborenen Geschlechtsliebe, die aus der luziferischen Liebe zur Schönheit herstammt und erst entstehen konnte, als das menschliche Denken in den Ätherkräften erlebt wurde. In Helena traf die luziferische Liebe zur Schönheit mit dem Mondhaften zusammen, in Helena begegneten sich Luzifer und Mond.
Als Helena in Troja um das Pferd herumgeht, das in den Eingeweiden die griechischen Helden birgt und es betastet und die Helden bei Namen ruft, ist es jedem, als ob er sich von der eigenen, von seiner Gattin angerufen hört. Buchstäblich übersetzt steht da von der Helena (Odyssea IV, 279): "Sich in der Stimme ähnlich machend den Gattinnen aller Griechen." So dass alle auffahren wollen und hinausstürmen, oder von innen aus hören lassen, dass sie Anklang gefunden hat (ibidem 283). Es war die griechische Frau, die sie hörten.
Helena besitzt das Kraut, das den Menschen im Tagesleben, im Erdenleben gegenüber den gewaltigsten Schicksalen unempfindlich macht, ihn der Täuschung übergibt. Man siehe die oben erwähnten Verse.
Der Anfangspunkt der Liebe liegt im Blute, der Endpunkt im Geist. Wie jeder Fortschritt nur möglich wird mittels Hemmnis und Sturz, mittels sich entgegenarbeitender Mächte, so musste die Liebe, um vom Blut an den Geist überzugehen, durch die gestürzte Geschlechtsliebe hindurch.
Gelegentlich der Aufführung der betreffenden Szenen aus Faust II (3. November 1917, Dornach) sprach Dr. Steiner die perspektivischen Worte: "Man sieht das Ineinanderspielen desjenigen, was in uns lebt vom vierten und fünften nachatlantischen Zeitraum, im eminentesten Sinne von Goethe verwendet. Aber Goethe wusste noch mehr; denn er deutet auf die esoterische Helena-Sage: Wie in Troja bloß das Idol war, dasselbe, was in den Sternen begründet, was kosmischen Ursprungs ist; das andere, Individuelle der Helena, ist nach Ägypten hinüber zu Proteus gerückt. In dem untergehenden Troja verblieb nämlich das von der Helena, was dem dritten nachatlantischen Zeitraum angehört, was dieser dritte nachatlantische Zeitraum ausgestoßen hat, was Ägypten entließ; was aber Ägypten aufbewahrte für den vierten nachatlantischen Zeitraum, das holte sich Menelaos wiederum von Ägypten und brachte es wieder nach Griechenland zurück."
Als die ägyptische Kultur zu Ende ging, war das alte Idol der Frau mitbestimmt, unterzugehen. In dem griechischen Zeitalter, das sich mit seiner Intelligenz dem Physischen näherte bis auf die ätherische Stufe, war für die Frau als Idol kein Platz mehr. In Griechenland war dem Weiblichen eine neue Rolle Vorbehalten. Der trojanische Krieg stellte auf der Erde dasjenige dar, was unter den Göttern der Kampf war um den Sieg der neuen Kultur. In Troja ging die alte ägyptische Kultur unter und wurde die neue griechische Kultur erlöst. Auch das Weib der vergangenen Kultur musste — wie alles, was nur in den Sternen gründete, was λευκός war — in Troja untergeben. Das Individuelle des Weibes, das, was durch den Stoff gehen musste, was πολιός werden musste, holte sich aus Ägypten das, was ihm die vorangegangenen Kulturen an Brauchbarem erworben hatten und begab sich nach Griechenland, dem Lande seines neuen Schicksals. Derjenige, der das Idol des Weibes zum Untergang nach Troja brachte, war Paris, Παρίς: "der, der vorübergehen macht" (παρ-ιέναι).*
Im 4. Odyssea-Buch Vers 349 flgg. stellt sich dann Näheres über einem Aufenthalt Menelaos' in Ägypten heraus. Menelaos erzählt dem Telemachos:
"Alles, was mir der untrügliche Meeresgreis[Proteus] sagte,
Davon will ich dir kein Wort verbergen oder verhehlen.
In Ägypten hielten mich noch, so sehr ich mich sehnte, hierher zurückzukehren,
Die Götter, da ich ihnen meine Opfer nicht verrichtet hatte.
Die Götter aber wollen immer, dass wir uns der Pflichten erinnern.
Es liegt eine Insel im wildbrausenden Meer,
Vor Ägypten — Pharos ist sie benannt —
Um so viel davon entfernt, wie ein unbelastetes Schiff in einem Tage
Zurücklegt, dem ein stürmischer Segelwind im Rücken bläst.
Darinnen mit gutem Ankerplatz versehen ein Hafen, von wo aus man die nicht schwankenden Schiffe
Ins Meer hinausläßt, um dunkles Wasser zu schöpfen.
Dort hielten mich zwanzig Tage die Götter, und nie erschienen Wehende Meereswinde, die der Schiffe
Geleiter sind auf dem breiten Rücken des Ozeans.
Und nun wäre alle Reisekost und der Mut der Männer geschwunden,
Wenn nicht eine der Göttinnen sich meiner erbarmt und mich gerettet hätte,
Die Tochter des göttlichen Proteus, des Meeresgreises,
Eidothea; denn dieser vor allem bewegte ich das Gemüt.
Sie begegnete mir, der ich fern von den Freunden umherirrte."
Es fängt dann Rede und Gegenrede an von Menelaos und der göttlichen Eidothea, wobei, sie auf seine Frage, welcher der Unsterblichen ihn an der Rückkehr verhindere, ihm antwortet, er solle ihren Vater Proteus fragen. Dieser würde ihm dann zugleich die Geschehnisse im Vaterland erzählen können. Menelaos fragt, wo er dessen Aufenthaltsort finden könne. Die Antwort fängt an:
"In dem Augenblick, wo die Sonne den halben Himmel durchschritten hat,
In diesem Augenblick kommt der untrügliche Greis aus dem Ozean,
Mit dem Atem des Zephyr, umhüllt von dunklem Gekräusel.
Dem Wasser entstiegen, legt er sich nieder unter den sich wölbenden Grotten."
Eidothea wird Sorge tragen, dass sie dorthin Menelaos mit zwei seiner Gefährten schon bei Sonnenaufgang geführt hat. Und sie fährt fort:
"Sobald Ihr seht, dass er eingeschlafen ist,
In dem Augenblick habt Ihr Stärke und Gewalt von Nöten.
Ihr sollt ihn in der Art zu behalten suchen,
Wie er auch strebt und sich beeilt, sich weiter zu verwandeln.
Er wird versuchen, alles zu werden, was auf der Erde herum gehend geboren wird Und Wasser und vom göttlichen Wort durchwehtes Feuer.
Ihr aber sollt ihn unablässig halten und ihn stark bedrängen.
Aber, wenn er anfängt, mit Worten Euch zu fragen,
In demjenigen Zustand, in dem Ihr ihn saht, als er eingeschlafen war:
"Sobald Ihr seht, dass er eingeschlafen ist,
In dem Augenblick habt Ihr Stärke und Gewalt von Nöten.
Ihr sollt ihn in der Art zu behalten suchen,
Wie er auch strebt und sich beeilt, sich weiter zu verwandeln.
Er wird versuchen, alles zu werden, was auf der Erde herum gehend geboren wird
Und Wasser und vom göttlichen Wort durchwehtes Feuer.
Ihr aber sollt ihn unablässig halten und ihn stark bedrängen.
Aber, wenn er anfängt, mit Worten Euch zu fragen,
In demjenigen Zustand, in dem Ihr ihn saht, als er eingeschlafen war:
Es geschieht alles, wie Eidothea es vorhergesagt hat. Als dann zum Schluss, nachdem Proteus Menelaos angeredet, dieser seine Fragen stellt, antwortet der Meeresgreis:
"Du hättest fürwahr dem Zeus und den anderen Göttern
Die heiligen Opfer darbringen sollen und dann zu Schiff dich begeben, damit du so schnell wie möglich
In dein Vaterland kämest, fahrend über das weingleiche Meer.
Denn dir obliegt das Schicksal, nicht eher die Freunde zu sehen und zu erreichen
Das wohlgebaute Haus und den väterlichen Boden,
Bevor du wiederum zum Wasser von Ägyptens himmelentströmtem Fluss
Gekommen und dargebracht die heiligen Opfer
Den unsterblichen Göttern, welche den weiten Himmel bewohnen.
Dann fürwahr werden die Götter dir die Fahrt verleihen, die du ersehnst.
So sprach er, mir aber brach das Herz,
Weil er mich zwang, wiederum auf das luftige Meer
Nach Ägypten zu gehen, den langen, schwierigen Weg."
Dann fragt Menelaos nach den Freunden, die mit ihm vor Troja lagerten, die er seit seinem Fortgang von dort nicht mehr gesehen. Proteus antwortet:
"Atreussohn, warum befragst du mich danach? Es ist dir nicht dienlich
Zu wissen, noch meinen Geist zu erforschen; sei gewiss,
Dass du nicht lange tränenlos bleiben wirst, nachdem du alles vernommen."
Nachdem er ihm dann die Schicksale seiner Freunde erzählt und ihn ganz besonders erschüttert durch die Kunde von dem unglücklichen Tod des anderen Atreussohnes Agamemnon, der bei seiner Landung im Vaterland durch den Verführer seines Weibes Klytaemnestra getötet wurde, endet er seine Mitteilungen also:
"Dir aber ist nicht von den Göttern vorbestimmt, o Götter-entstammter Menelaos,
In dein Rosse-nährenden Argos zu sterben und dein Schicksal zu erfüllen,
Sondern dich werden in die elysische Flur und die äußersten Grenzen der Erde
Die Unsterblichen senden, an die Stätte des leuchtenden Rhadamanthos,
Wo das Leben den Menschen leicht wird:
Kein Schnee kommt dort hernieder usw. usw.
Da du die Helena hast und durch sie dem Zeus anvermählt bist."
Und Menelaos erzählt dem Telemachos weiter, wie er das Meer durchschiffte:
"Wiederum zum himmelentströmten Fluss von Ägypten
Landete ich die Schiffe und verrichtete genau die Opfer.
Aber nachdem ich den Zorn der ewigseienden Götter versöhnt,
Errichtete ich Agamemnon ein Grabmal, damit die Kunde von ihm unauslöschlich sei.
Als ich dies vollbracht, trat ich die Heimfahrt an, und es gaben mir günstigen Wind
Die Unsterblichen, die mich schnell der geliebten Heimat zu führten."
Nur die hauptsächlichsten Stellen, die nötig sind für das, was jetzt zu beweisen sein wird, sind im Vorhergehenden angeführt. Man könnte noch vieles dazu aus dem Text heranholen.
verder naar deel V (het laatste deel)